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Bibliographie

Ernst Nägeli

Geboren 1908 in xxx, (Kt.Thurgau Schweiz)
Gestorben 13. März 2006 in Frauenfeld (Kt.Thurgau Schweiz)

Nägeli wurde 1908 geboren, und sein Leben umspannt fast das ganze letzte Jahrhundert. Als Knabe erlebte er den Ersten Weltkrieg. Als der Zweite Weltkrieg ausbrach, war er bei der Thurgauer Zeitung schon ein erfahrener Redaktor, und seine Arbeit als Mundartdichter begann er als bestandener Mann. Ernst Nägeli war Schriftsteller, Redaktor und Chronist seiner bäuerlich geprägten Heimat.

Aus dem Jahr 1966 stammt der Text aus einem Sammelband, den er mit dem Titel überschrieb: «Der Volkscharakter». Mit dem Volkscharakter war der Charakter der Thurgauer gemeint. Schon einleitend warnt Nägeli, es sei nicht leicht, einen Volkscharakter zutreffend zu umschreiben; ohne bequeme Vereinfachungen gehe es nicht. Anderseits räumt er ein, im eigenen Volk kenne man sich doch am gründlichsten aus: «Man vermag gewisse Tatbestände besser zu erläutern und zu begründen als der Fremde.»

Sparsam, arbeitsam, nüchtern
Ernst Nägeli charakterisiert den Thurgauer als sparsam, arbeitsam, nüchtern und verlässlich. Er berichtet, wie Elias Haffter, der spätere Chefarzt des Spitals in Frauenfeld, als Kantonsschüler zu Fuss von Frauenfeld zu seinen Eltern im Weinfelder Doktorhaus heimkehrte, um die Auslagen für die Eisenbahn einzusparen. Und er habe zwei ältliche Schwestern gekannt, die abwechslungsweise den Gottesdienst besuchten, weil sie nur einen gemeinsamen Sonntagshut besassen.

Aber schon 1966 stellt Nägeli die landläufigen Klischeevorstellungen in Frage. Es sei in den goldenen Tagen der Stickerei schon früh vorgekommen, dass die Herren Sticker bei Sonntagsausfahrten mit Ross und Wagen den Pferden Fünfliber und Fränkler an den Hintern warfen, um sie auf der Fahrt von Wirtschaft zu Wirtschaft anzutreiben. Freilich seien dann «die Geuder in der Krise auf den Hund gekommen, während die Sparer durchhielten.»

«Tuusig Aamer Kartüüser»
War Ernst Nägeli selber der Thurgauer, wie er ihn gewandt wie kein anderer beschrieb? In den Grundzügen vielleicht schon: Wenn er aufrechten Ganges über die Frauenfelder Promenade schritt, dann war er das, was man «eine Erscheinung» nennt: äusserlich ein fast spröder, auf den ersten Blick unnahbarer Mann. Aber er war auch offen und hilfsbereit. Hansrudolf Frey, sein letzter Buchverleger, erinnert sich: «1997 war ich in Not. Ich hatte kein Buchprogramm und fragte den fast 90-Jährigen, ob er Mundartgeschichten auf Lager habe. Zuerst grummelte er etwas, doch bald lieferte er druckreif seinen letzten Band.» Dieser trug den Alt-Thurgauer Titel: «En Chratte voll Öpfel».

Nägeli schrieb seine Bücher noch mit der Schreibmaschine. Computer waren ihm ein Greuel. Er begann mit dem Band «Ostschweizer Reben, Ostschweizer Wein» und erzielte in Mundart den Durchbruch mit «Tuusig Aamer Kartüüser». Im stattlichen Werk gab Nägeli köstliche «Thurgauer Geschichte» zum Besten, die der Historiker Albert Schoop «als wertbeständige Beiträge zur eher kargen Kulturgeschichte» des Kantons würdigte.

Später schrieb Nägeli «Rosen ond Törn». Gut aufgenommen wurde auch der Band «Bechtelistag» mit Porträts von Persönlichkeiten, die es dank Tüchtigkeit und ernsthafter Arbeit in Stadt und Kanton zu Ansehen gebracht hatten. Im Bändchen «Most und Saft» sammelte Nägeli Thurgauer Anekdoten; und im heiteren Roman «Wasser, Wein und Himmelbett» schilderte er die kleine Welt eines Gasthofes am Untersee mit seiner handfesten Wirtin.

Beggeligrenze
Gut kannte Ernst Nägeli die Eigentümlichkeiten des Thurgauer Dialekts. Einmal schreibt er, mitten durch den Kanton ziehe sich die Beggeligrenze: «Auf der einen Seite löffelt man Brögge us em Beggeli, auf der anderen Bröcke us em Beckeli.» Das härtere «ck» drücke das weichere «gg» immer mehr an die Wand; und im Beggeligebiet werde das «ä» meist breit und dumpf gesprochen, um die Beckeli herum aber hell wie im Hochdeutschen. Nägeli selber schrieb all seine Dialektgeschichten in der heimischen Mattwiler Mundart.

Liberalkonservativ
Hoch über dem Untersee besass Ernst Nägeli an schönster Aussichtslage ein Ferienhaus, von dem aus er gegen Norden und Osten weit nach Europa hinausblickte: zum Renaissanceschloss Heiligenberg ob Salem und tief ins Allgäu hinein. Er war ein Thurgauer durch und durch, aber er kannte die Weltgeschichte und die Weltenläufte à fonds. Genau beobachtete er die Aussenpolitik und die Ereignisse in anderen Staaten, und stets war er über die Aktualität im Bild. Staatsbürgerlich war er wohl das, was man heute einen Liberalkonservativen nennt; aber Etiketten entzog er sich so standhaft, wie er zu Kumpanei und Anbiederung Distanz hielt. Er liess sich von niemandem vereinnahmen.

Von seinem Ferienhaus in Salenstein aus unternahm er ausgedehnte Wanderungen über den Thurgauer Seerücken und dem See entlang. Doch Wanderungen ist ein zu schwaches Wort. Es waren vielmehr strenge Märsche, auf denen er Land und Leute erkundete. Wie kein Zweiter beschrieb er die Welt am Untersee – am kostbarsten wohl, wenn er sich des Prinzen Louis Napoleon annahm und den imaginären «Napoleon IV.» heraufbeschwor.

Mann der alten Schule
Von Beruf war Ernst Nägeli Feuilleton-Redaktor bei der «Thurgauer Zeitung» und Thurgau-Korrespondent der «Neuen Zürcher Zeitung». Als Zeitungsmann gehörte er – wie Edwin Altwegg, Ernst B. Gross und Walter Helg – zur alten Schule. Der promovierte Germanist beherrschte die deutsche Sprache in Wort und Schrift, und Stilsicherheit war ihm kein Fremdwort.

Mit den neuen Entwicklungen im Zeitungswesen konnte (und wollte) er nichts anfangen. Der Beruf «Redaktor» kam für ihn vom lateinischen Verbum «redigere»: in Ordnung bringen, ordentlich machen. Für Nachlässigkeiten hatte er kein Verständnis. Seinen Nachfolgern stand er skeptisch gegenüber.

Ernst Nägeli war einer der bedeutenden Thurgauer des 20. Jahrhunderts. Er kannte seinen Heimatkanton. Mit untrüglichem Instinkt sagte er die Ergebnisse der Volksabstimmungen voraus. Er war gebildet und weltoffen, aber er hatte Wurzeln auf dem Lande. Er war der Chronist jener kleinbäuerlich geprägten, arbeitsamen, kargen Welt, von der er schon 1966 ahnte, dass sie es so nicht mehr gab und dass sie so nie wieder sein würde.

Peter Forster

Text St.Galler Tagblatt 21.März 2006

Ernst Nägeli verstorben (Montag 13.März 2006)

Frauenfeld - Ernst Nägeli, langjähriger Redaktor der «Thurgauer Zeitung» und Autor zahlreicher Thurgauer Dialekterzäh- lungen, ist am vergangenen Montag im Alter von 97 Jahren verstorben. Nägeli wurde am 13. Dezember 1908 in Mattwil geboren und absolvierte ein Studium der Germanistik. Als Autor gewann Nägeli, der seit Jahrzehnten in Frauenfeld lebte, zahlreiche Auszeichnungen. Eine ausführliche Würdigung folgt. (tz.)

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